Das Leben bietet uns viele Türen, durch die wir gehen können. Doch welche ist die richtige Tür?

Als ich mich Ende 2015 von meinem Mann getrennt habe, war ich mir noch nicht sicher, welche Tür ich wählen soll. Es gab sicherlich einige, die mir offen gestanden hätten. Einige fühlten sich gut an, andere wieder nicht.

Nach langen Jahren Muttersein war der Wiedereinstieg ins Berufsleben die wahrscheinlich schwierigste Tür, durch die ich gehen musste. Schnell stellte ich fest, dass ich auf dem Arbeitsmarkt nichts mehr wert war. Die erste Dame, mit der ich auf dem Amt zu tun hatte, sagte mir knallhart ins Gesicht: „Mit ihnen kann ich nichts anfangen, sie waren zu lange zu Hause. Sie zählen auf dem Arbeitsmarkt als ungelernt“. Das saß, und zwar tief. Lange Zeit sogar.

Sagt man den Müttern doch immer gerne nach, sie hätten ja sozusagen alle Berufe vereint, die es so gibt: Kinderärztin, Krankenschwester, Lehrerin, Haushälterin, Seelsorgerin, Floristin, Tiertrainerin … Unendlich lang ist diese Liste, denn als Mutter managt man schließlich ein „kleines Familienunternehmen“. Klingt gut, bringt aber nichts im realen Leben. Was also tun, wenn man dir klar ins Gesicht sagt, dass du selbst Schuld bist, wenn du dich anstatt um deine Karriere um die Kinder gekümmert hast?

Mit mir nicht

Nach den knallharten Worten der Dame vom Amt musste ich also selbst aktiv werden. Hast du schon einmal einen Lebenslauf geschrieben, der zumindest optisch 16 Jahre Leerlauf beinhaltet? An dieser Stelle steht „Hausfrau und Mutter“, aber das interessiert keinen. Wer nämlich jetzt denkt, dass die Damen und Herren, die in Unternehmen einen solchen Lebenslauf auf den Tisch bekommen, fröhlich in die Hände klatschen und sagen „Super! Diese Frau ist ein Multitasking-Talent. Perfekt“, der liegt völlig daneben. Denn in diesem Lebenslauf prangert die große Lücke.

Nach einigen Weiterbildungen und Schulungen kann ich nun wieder etwas vorweisen, aber reicht das? Was fehlt ist schlichtweg die Berufserfahrung. Und diese wird gnadenlos gefordert in Unternehmen. Aber nicht nur das. Ich habe drei schulpflichtige Kinder und bin alleinerziehend: Da wirst du bei jedem Gespräch gefragt, wie du es regeln kannst, wenn die Kinder Ferien haben oder einmal krank sind.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Nach all diesen negativen Erfahrungen blieb für mich also nur der Weg in die Selbstständigkeit. Es war nicht leicht und ich habe über die Selbstständigkeit immer wieder nachgedacht, das Für und Wider versucht abzuwägen. Es war letztendlich eine Entscheidung, die allmählich in mir gereift ist. Nicht zuletzt aus den oben genannten Gründen. In den Monaten seit meiner Selbstständigkeit hatten meine Kinder unzählige Tage Ferien, Pädagogische Tage in der Schule – also schulfrei – und krank waren sie tatsächlich auch mal.

Ich hatte das große Glück, dass ich mit wenig bis nichts starten konnte. Das heißt ich musste mir kein Büro anmieten und brauchte auch keinen Kredit für Material, Ausstattung und Warenlager. Denn Geld hätte ich in meiner Situation von der Bank sicherlich nicht bekommen. Aktuell trägt uns der Unterhalt, den ich von meinem Ex-Mann noch bekomme. Sollte der plötzlich wegfallen, wird es düster aussehen. Denn leben können wir von meinen aktuellen Umsätzen noch nicht.

Angst? Natürlich hatte ich die und habe sie auch immer noch. „Der Rubel muss ja rollen“ wie man so schön sagt. Aber der rollt eben erstmal nicht so schnell in meiner Branche als Webdesignerin und freiberufliche Texterin. Ich habe kein Ladengeschäft, an dem täglich viele Menschen vorbei schlendern und Werbung für mich und mein kleines Unternehmen machen. Es spricht sich nicht im Umkreis herum, dass es mich jetzt gibt in der Stadt.

Du kannst nicht alles – abgeben will gelernt sein

Auf dem Gründerinnen Seminar für Frauen, das ich vergangenes Jahr besucht habe, wurde uns gesagt: Ihr müsst lernen, etwas abzugeben, auch wenn es Kosten verursacht. Das konnte ich anfangs nicht so annehmen. Da bin ich auch stur, das gebe ich gerne zu. Wenn etwas mit zusätzlichen Kosten verbunden war, habe ich das in der ersten Zeit nach meiner Gründung grundsätzlich abgelehnt. Selbst über die Kosten für den Steuerberater musste ich erstmal nachdenken. Völliger Quatsch wie ich heute weiß: Du brauchst einen Steuerberater, es sei denn du bist selbst Steuerberaterin.

Mit meinen Kenntnissen im InDesign habe ich versucht, mir ein eigenes Logo zu gestalten. Es sah ganz passabel aus, aber es war eben nicht perfekt. Als der Perfektionismus verteilt wurde, habe ich laut hier gerufen. Also hieß es auch hier abgeben, nicht alles alleine versuchen. Und so fand ich Sabine Stärker-Bross, eine Grafikerin, die im positiven Sinne für mein heutiges Logo verantwortlich ist.

Homeoffice – ist das immer so praktisch?

Als meine Entscheidung gefallen und meine Unternehmensgründung in den Startlöchern stand, habe ich mich natürlich gefragt, wo ich denn meinen Schreibtisch aufbauen soll. Unsere Wohnung ist zwar nicht klein, aber alle Räume sind vergeben. Ich konnte den Kindern schlecht die Zimmer wegnehmen. Ich musste also zumindest für die erste Zeit eine Möglichkeit finden, wo ich ungestört arbeiten kann.

Ungestört ist so eine Sache, wenn am Nachmittag – oder in den Ferien – drei Kinder um dich herumspringen. Ich bin eigentlich nie ungestört und manche Denkprozesse könnten in einem richtigen Büro mit Ruhe drumherum viel schneller zu Ende gedacht werden. Diesen Luxus kann ich mir aktuell aber noch nicht leisten. Das Arbeiten im Homeoffice hat auch viele Vorteile, gerade wenn du Kinder hast.

Warum Netzwerken so wichtig ist

Dass Netzwerken anstrengend ist und viel Zeit kostet, streite ich nicht ab. Es frisst täglich viele Stunden und man ist auch sehr oft noch am Abend mit Vernetzen und Verlinken beschäftigt. Dennoch ist es sehr bereichernd und ich lerne dadurch virtuell sehr viele Menschen kennen, die ich im Café um die Ecke oder beim Stadtbummel nicht kennenlernen würde.

Netzwerken ist in meinen Augen die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen und für die Selbstständigkeit. Ich bin wirklich mehr als froh, dass es Facebook und Co. gibt. Dieses Social Media, auf das so oft geschimpft wird, kommt uns Selbstständigen wirklich mehr als entgegen. Wo wenn nicht hier können wir über uns und unsere Ideen, unser Business erzählen und Werbung dafür machen.

Eine gute Entscheidung

Es wird noch dauern, bis ich von meinem Business und meiner Selbstständigkeit leben und meine Kinder damit ernähren kann. Aus heutiger Sicht kann ich dennoch sagen: Es war die richtige Tür, für die ich mich entschieden habe. Ob ich in einem Unternehmen mit einer Festanstellung glücklich geworden wäre, kann ich nicht sagen. Es gab für mich nicht die Möglichkeit, es zu versuchen. Natürlich hätte es sehr viel mehr Sicherheit mit sich gebracht: ein festes Gehalt, feste Urlaubstage und die Zahlung der Krankenkassen- und Rentenbeiträge. Aber die Freiheit, meine Arbeitszeit so einzuteilen wie heute und dadurch auch meinen Kindern besser gerecht zu werden, hätte ich nicht gehabt.

Man braucht eine gehörige Portion Mut und Selbstvertrauen, um in die Selbstständigkeit zu gehen. Es ist nicht immer die Wahnsinnsidee oder das mega neue Produkt, das du auf den Markt bringen musst. Meine Idee, mit der text-liebe Webdesign für Frauen anzubieten, ist bestimmt alles andere als super spannend. Aber ich lebe genau dafür und wachse täglich an dem, was ich für mich ausgewählt habe. Es macht mich glücklich, das ich täglich mein Hobby als Beruf ausüben darf. Glaube an dich und deine Fähigkeiten, an deine Leidenschaft.

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