Wenn Mama plötzlich arbeitet: Was verändert sich für die Kinder und wie lässt sich das im Homeoffice umsetzen?

Viele Mütter machen sich keine großen Gedanken, wenn sie für die Kinder den Beruf aufgeben. So ging es mir damals auch. Seinerzeit war ich noch der Meinung, dass es den Kindern besser geht, wenn ich als Mutter den ganzen Tag zu Hause bin. Mein Ex-Mann war die meiste Zeit beruflich unterwegs. Für meine berufliche Entfaltung war kein Platz. Ohne Tagesmutter oder gar Au-Pair Mädchen hätte es nicht funktioniert, dass auch ich wieder in den Beruf einsteige.

Als ich nach meiner Trennung mit meiner Weiterbildung begann, wurde plötzlich alles anders – auch und gerade für meine Kinder. Weg vom “Mama ist doch immer da”. Für meine Kinder war es eine riesige Umstellung, dass plötzlich schon morgens alles durchgeplant war. Ich musste pünktlich an meinem Schreibtisch im Schulungsraum sitzen und das Ende am Nachmittag liess sich nicht vorhersagen.

Mama arbeitet im Homeoffice

Nach meiner Teilnahme am Gründerinnen-Seminar in Brandenburg stand fest, dass ich mich nach der Weiterbildung selbstständig mache. Doch wie sieht die Realität aus, wenn ich im Homeoffice arbeite? Geht man morgens mit den Kindern aus der Tür und kommt abends zurück, gibt es keinen Haushalt, der doch zwischendurch um Hilfe schreit. Es bleibt alles liegen bis zum Wochenende. Aber es bleiben eben auch Dinge liegen, die mit den Kindern zu tun haben. Ein Fußball-Spiel am Nachmittag, bei dem man schon um 16 Uhr los muss, fällt dann leider aus. Der verpasste Zug oder die plötzlichen Unterrichtsausfälle in der Schule bedeuten, dass die Kinder warten müssen. Warten auf den nächsten Zug oder bis Mama es einrichten kann, schnell mit dem Auto zu kommen.

Bis heute fällt es meinen Kindern manchmal noch schwer zu verstehen, dass Homeoffice auch arbeiten bedeutet. Selbst wenn man deutlich zu erkennen gibt, dass man die nächste halbe Stunde nicht gestört werden darf, weil man telefoniert. Ihnen fällt garantiert genau in diesem Moment eine super dringende Frage ein, die niemals warten kann. Texte liest man oft mehrfach, da im entscheidenden Moment ein Stift zum Malen gesucht wird, den man auf meinem Schreibtisch vermutet.

Das Zauberwort heißt fokussieren

Anfangs fiel mir das Arbeiten im Homeoffice sehr schwer. Am Staubsauger vorbei, nicht über Los sondern direkt an meinen Schreibtisch zu gehen, sobald alle Kinder aus dem Haus sind. Ich konnte meinen Kindern nur schwer abschlagen, dass das Lieblings-Shirt noch am selben Tag gewaschen und gebügelt wird. Ich habe gelernt, in Dringlichkeitsstufen einzuteilen. Mittlerweile habe ich To-Do-Listen – nicht nur für den Job.

Dinge, die nicht zwingend am selben Tag erledigt werden müssen, bleiben auch mal liegen. Andere werden dazwischen geschoben. Ich muss gestehen, dass ich mich hierbei noch ganz Old-School verhalte. Ich nutze zwar auch Trello für meine Redaktionspläne, aber vieles andere findet bei mir Platz in einem echten Kalender. Nach langer Suche habe ich endlich das für mich richtige Modell gefunden: das Moleskine Weekly Notebook.

Als ich mir mein Homeoffice eingerichtet habe, war mir besonders wichtig, dass ich nicht nur am Schreibtisch im Büro arbeiten kann. Der ist natürlich mein zentraler Mittelpunkt: Hier steht mein großer Bildschirm, hier stehen meine Ordner und hier bin ich die meiste Zeit vom Tag. Es war mir aber auch wichtig, dass ich nachmittags und abends im Wohnzimmer weiterarbeiten kann, wenn meine Kinder da sind. Das geht nur, wenn die Rechner miteinander kommunizieren. Dafür habe ich als erstes gesorgt und bin heute sehr froh darüber. Anders wäre es eine Katastrophe. Selbst am Wochenende kann ich im Wohnzimmer arbeiten, ich bin aber für die Kinder nicht zwingend in der “Mama arbeitet schon wieder” Rolle. Natürlich habe ich dann nicht die absolute Ruhe, aber es lässt sich einrichten, dass man trotzdem einiges erledigt bekommt.

Unsicherheit – wie gehe ich damit um?

Ein großes Für bekommt die Festanstellung schon: Ein halbwegs sicheres Gehalt, feste Urlaubstage und vielleicht sogar einen Bonus. Und der Schreibtisch verschwindet mit dem Schließen der Bürotür bis zum nächsten Tag sicher geparkt und läuft nicht weg. Krankheiten werden zu Hause auskuriert. In einem festen Anstellungsverhältnis bin ich in der Regel Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse und bin somit abgesichert.

Anders ist das bei der Selbstständigkeit. Gerade als Startup erzielt man unter Umständen nicht jeden Monat den gleichen Umsatz. Das frustet und macht unsicher. Ich war 16 Jahre Hausfrau und Mutter und wir sind noch in einer privaten Krankenkasse über meinen Ex-Mann mitversichert. Im September 2017 habe ich einen Antrag bei der Künstler Sozialkasse gestellt. Die KSK ist die einzige Möglichkeit für mich, wieder in einer Art gesetzlichen Krankenkasse aufgenommen zu werden. Die Sätze der privaten Krankenkasse kann ich mir nicht leisten. Aktuell warte ich noch auf meine Aufnahme dort.

Auch mit dem Kranksein geht man anders um, wenn man im Homeoffice arbeitet. Meine Kunden am anderen Ende der Leitung interessiert es zum Glück nicht, wie ich aussehe – Top gestylt oder doch verschnupft und mit roten Augen. Ob sich auf meinem Schreibtisch die Taschentücher neben der Tasse mit Kamillentee türmen ist auch unwichtig. Ansteckungsgefahr besteht virtuell keine und somit verbringt man den Tag am Rechner anstatt im Bett zu liegen.

Ich könnte es mir derzeit nicht anders vorstellen

Trotz all der Dinge, die anders laufen als in einer Festanstellung, finde ich meinen Homeoffice Platz ganz wunderbar. Ich bin für meine Kinder da, wenn sie mich brauchen. Zumindest die meiste Zeit. Auch Kinder sind einmal krank. Ich bin dankbar dafür, dass sie dann nicht alleine sind und sich erholen können, während ich nebenan arbeite. Was ich tagsüber nicht erledigen kann, hole ich am Abend nach. Meine flexible Zeiteinteilung ist mir enorm wichtig.

“Gut Ding braucht Weil” – auch oder gerade als Startup. Meine Kinder werden älter, mein Terminkalender kann sich anpassen. Je selbstständiger meine Kinder werden, umso mehr kann ich mit meiner Selbstständigkeit im Homeoffice auch in Richtung Vollzeit-Auslastung gehen.