Selbstständigkeit schützt nicht vor Krankheit. Aber wie schwierig ist es, als Mitglied einer privaten Krankenversicherung zurück in die gesetzliche Krankenkasse zu kommen?

Die Entscheidung, dass Frauen sich einzig und alleine den Kindern und dem Haushalt widmen und ihren Beruf nach der Geburt der Kinder an den Nägel hängen, trifft man in der Regel gemeinsam. Meistens hängt es damit zusammen, dass die Männer einfach mehr Geld verdienen. Vielleicht auch, weil Mütter denken, sie würden ihren Kindern damit einen Gefallen tun. Mama ist dann eben immer greifbar, wenn die Kleinen aus dem Kindergarten und der Schule kommen.

Dies waren auch hauptsächlich bei uns die Gründe, warum ich seit dem ersten positiven Schwangerschaftstest Haus, Hof und Kinder jongliert habe, anstatt morgens mit schicken Schuhen und neuem Dress das Haus zu verlassen. Ich habe meinen Kindern und der Nanny an der Haustür nicht mit Handkuss nach gewunken, habe mich nicht ins Auto gesetzt und mich ins alltägliche Arbeitsabenteuer gestürzt. Stattdessen haben die Kinder und ich dem Vater an der Tür hinterher gewunken und ihm einen erfolgreichen Tag gewünscht.

Wiedereinstieg statt Babyzeit

Ich hatte zwei wirklich sehr reizvolle Angebote von großen und namhaften Kollektionen, wieder als Gebiets-Repräsentantin in der Textilbranche einzusteigen. Ich kannte die meisten Kunden, hätte mich ganz schnell auch wieder eingelebt und zurecht gefunden. Die Verträge habe ich nie unterschrieben. Der Familie zuliebe und natürlich auch dem Vater meiner Kinder. Er war und ist viel auf Reisen und es wäre nicht leicht gewesen, eine der Super-Nannys zu finden, die auf Abruf auch mal ein paar Tage bei uns eingezogen wäre.

Private Krankenversicherung – der Frust kommt unweigerlich

Meine Kinder und ich haben in den letzten Jahren den Bonus einer privaten Krankenkasse genossen. Ganz hübsch und mit Krönchen, wie man sich das immer so vorstellt: separate Telefonleitungen bei den Ärzten, damit man als Privatpatient auch ganz schnell jemanden erreicht. Teils auch Bevorzugung bei dem einen oder anderen Arzt, schnelle Terminvergabe usw.

Diese Vorzüge waren damals die Entscheidung meines Mannes, da es einfach ein Rechenexempel war. Die Entscheidung, in die private Krankenversicherung zu wechseln, habe ich ihm überlassen, habe mich mit dem Für und Wider auch nicht auseinander gesetzt. Warum auch. Natürlich wurde ich in die Gespräche mit dem Versicherungsmakler einbezogen. Aber mal ehrlich: wer denkt denn Jahre vorher darüber nach, was es einmal bedeuten könnte, sich diesen Luxus irgendwann nicht mehr leisten zu können?

Wer nimmt mich jetzt auf?

Als ich nach der Trennung dann sämtliche gesetzlichen Krankenkassen abgeklappert und um Aufnahme gebeten habe, wurde ich eiskalt abserviert. Ich müsse erst ein Anstellungsverhältnis eingehen, bevor ich zurück in die gesetzliche Krankenkasse käme. Mir wurde tatsächlich von der Dame einer Versicherungs-Hotline geraten, ich solle mich einfach irgendwo als Teilzeitkraft einstellen lassen. Dann wäre eine Aufnahme kein Problem. Es gäbe sicherlich Bekannte oder Freunde mit Unternehmen, die das machen würden. Ich müsste ja dort nicht wirklich arbeiten, das könne man ja irgendwie miteinander vereinbaren. Bitte was? Soweit sind wir jetzt schon?

Das Familienministerium wusste auch keinen Rat und verwies mich weiter zum Bundesgesundheitsministerium. Hier bekam ich auf meine Frage, ob man uns Langzeit-Mütter irgendwie unterstützt, die klare Antwort “nein”. Immer wieder muss man sich von allen möglichen Menschen anhören, man habe schließlich freiwillig den Bonus der privaten Krankenkasse für sich gewählt. Aber habe ich das wirklich? Ich hatte keine andere Wahl, als allen anderen in der Familie zu folgen. Und das hieß dann eben der Wechsel in die PKV.

Startschuss mit Risiko

Auf meiner Suche nach einem Job, der mich und meine Kinder die nächsten Jahre trägt, hätte ich mich natürlich auch als Kassiererin eines Supermarktes bewerben können. Oder aber in einem Café oder Restaurant als Servicekraft anheuern können. Das sind auch alles wunderbare Tätigkeiten und ich möchte das nicht abwerten. Ich finde aber, dass ich nach 16 Jahren Zurückstecken für die Familie das Recht habe, nochmal etwas zu tun, was mich erfüllt. Nicht zuletzt muss ich eben auch Sorge dafür tragen, dass mich meine Kinder im Alter nicht durchfüttern müssen, weil ich nicht genügend Altersvorsorge geleistet habe.

Nach meinem Gründerinnen-Seminar in Brandenburg ist der Startschuss in meine Selbstständigkeit gefallen. Ich arbeite von zu Hause und bin für meine Kinder da. Leider fallen bei einem Startup die Aufträge nicht vom Himmel. Eigentlich arbeitet man den ganzen Tag, ohne anfangs etwas erwirtschaftet zu haben. Akquise, Kundengespräche am Telefon usw. Und das leidige Thema mit der Krankenkasse bleibt bestehen – ich habe es versäumt, mir zu notieren, wieviel kostbare Arbeitszeit mir durch unzählige Telefonate diesbezüglich verloren gegangen ist.

Einzige Möglichkeit – Aufnahme in die Künstler Sozialkasse

Als Selbstständige komme ich in die gesetzliche Krankenkasse nur dann zurück, wenn ich das große Glück habe, dass mich die Künstler Sozialkasse aufnimmt. Sie prüfen aktuell, und das kann bis zu 5 Monate dauern, da ich als Startup nicht schon jeden Monat 200 Rechnungen einreichen kann. Außerdem muss ich exakt so arbeiten, wie es die Berufszweige, die eine Aufnahme in der KSK überhaupt erst möglich machen, fordern. Im Zweifel muss ich also Aufträge ablehnen, um (m)eine Mitgliedschaft in der Künstler Sozialkasse nicht zu gefährden.

Die private Krankenversicherung kann ich natürlich übernehmen. Aber: bei einem monatlichen Beitrag von über Euro 700,– plus Euro 3.000,– Selbstbeteiligung im Jahr unmöglich. Das würde mir derzeit jeden Monat ungebremst das Genick brechen.

Ich fühle mich vom Staat im Stich gelassen. Habe ich nicht 16 Jahre lang die Kinder gehütet? Ist das nicht Arbeit genug, um in meiner Situation die Möglichkeit zu bekommen, als freiwilliger Zahler in der gesetzlichen Krankenkasse willkommen zu sein? Schließlich habe ich vor meinen Kindern seit Beginn meiner Ausbildung bis zum Entschluss meines Mannes, in die private Krankenkasse zu wechseln, in die gesetzliche Krankenkasse eingezahlt.

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