Unter dem #metoo findet man derzeit unzählige Beiträge über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und vieles mehr. Sollte man doch eigentlich meinen, dass so etwas aus einer vergangenen Zeit stammt, als Frauen sich noch nicht trauten, den Mund aufzumachen. Fehlanzeige!!

Me, too? Jetzt erst recht!

„Du hast da eine Fluse,“ sagt Helmut (Position: Chef einer Fakultät). Ich sehe aus dem Augenwinkel, wie seine Hand in Richtung meines Hinterteils wandert. Intuitiv haue ich ihm auf die Hand. Er wird rot und sagt: „Stimmt, ich A..h. Nimm die Hände weg!“ Helmut ist Chef einer Abteilung der Universität, in der ich arbeite. Er ist kleiner als ich und ist sehr von sich überzeugt. Vor uns stehen Studierende, die Sekretärin und zwei Kollegen. Alle halten den Atem an und starren uns an. Dann sage ich „Hast du sonst noch Änderungsvorschläge für die Geschäftsordnung?“

Trau dich einfach – die innere Haltung zählt

Wenig später, als ich über den Flur gehe, wispert eine Kollegin mir zu: „Super gemacht! Hätte ich mich nie getraut!“ Und sie hat leider Recht. Das trauen sich nur wenige Frauen.

Die Frage nach dem Warum wird derzeit viel diskutiert. Antworten gibt es viele. Was ist es aber, dass mich so handeln lässt? Ist es eine „egal-ob-ich-meinen-Job-verliere“ Einstellung? Wohl kaum, denn ich bin alleinerziehend und muss mich und meinen Sohn ernähren. Ist es eine „mich in den Vordergrund drängen wollen“ Eigenschaft? Auch nicht. Ich bin lieber hinter der Kamera als davor. Es ist vielmehr ein: „Ich bin ich und ich habe meine Grenzen“ Attitude. Eine innere Haltung von „ich weiß meinen Wert zu schätzen und ich möchte respektvoll behandelt werden“. Punkt. Ist das zu viel verlangt? Ist das nicht mehr modern? Kann man mit Frauen, vor allem solchen, die einem gehaltsmäßig unterlegen sind, machen und reden wie man will?

Trophäensammlung

Bereits in den ersten Wochen meiner damaligen Einstellung bei diesem Chef wurde ich von meinen Kolleginnen „gebrieft“. „Es gibt eine so genannte Trophäensammlung“, sagte eine Kollegin zu mir. Trophäensammlung? Ich verstand nicht. „Einer der Professoren hält die Hand mit etwas Abstand vor dein Hinterteil oder sogar die Brust, der andere macht ein Foto. Ein Foto, das nachher so aussieht, als läge die Hand direkt auf dem jeweiligen Körperteil“, erzählte sie und holte tief Luft. Und je nachdem, wie echt es aussieht, bekommt derjenige verschieden viele Punkte für seine Foto-Trophäensammlung. „Wirklich?“, dachte ich. Ist das wirklich wahr? Gibt es sowas? „Und niemand tut etwas dagegen?“ fragte ich sie verdutzt. „Doch! Ich bin sauer geworden und habe ihn gebeten, das Foto zu löschen. Aber kurze Zeit später hörte ich, dass er es Kollegen geschickt und sich lustig gemacht hat. Mir wurde auch schon nach gesagt ich sei prüde.”

Gleichstellungsbeauftragte

Für mich war nach dieser Erzählung und nach einigen anderen, die folgen sollten, klar: einer meiner ersten Wege führte zur Gleichstellungsbeauftragten. Die kannte – zu meiner Überraschung – einige der Stories schon über diesen Mann. Doch noch keine aus erster Hand. Wir einigten uns, dass ich sie auf dem Laufenden halte. Ich überlegte zu klagen, aber aus den Gesprächen mit meinen Kolleginnen wurde mir klar, dass ich alleine dastehen würde. Also bewarb ich mich stattdessen weg.

Ausgegrabscht

Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen. Eine erneute Verlängerung des Amtes dieses grenzüberschreitenden Mannes wurde abgelehnt. Er ärgert sich und sagt, dass „eine Verschwörung gegen ihn vorgeht“. Geht es auch. Nur hat sie jetzt endlich Erfolg.

Zu meiner Person: ich bin 45 Jahre alt. Ich bin Mutter und engagiere mich neben meinem Job noch ehrenamtlich für Frauen und Kinder, denen es nicht so gut geht. Multitasking mag ich. Und ich arbeite sehr gerne, denn ich mache das was ich gut kann: schreiben und kommunizieren. Ich hatte einige Jobs – im In- und Ausland. Meistens befristet. Unbefristete Sicherheit gibt es nur noch selten. Und wenn es sie gibt, dann steht einer Kündigung oft dennoch Nichts im Weg. Einen Rock trage ich schon lange nicht mehr im Job. Das habe ich mir abgewöhnt, zu viele Blicke, zu viel Ablenkung von meinen Kompetenzen. Als Projektleiterin stehen mir Hosenanzüge auch ganz gut. Und weiblich fühle ich mich trotzdem.

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