Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung. Oder: der Alltag lässt uns keine Wahl.

Pünktlich um 7:00 Uhr stehen die Laufschuhe bereit, der Personaltrainer hat sich auch schon durch ein dezentes Klingeln bemerkbar gemacht. Die Nanny weckt gerade sanft die Kinder, nachdem sie alle Sandwichs für die Schule vorbereitet hat. Wie gut, dass nach dem Morgenlauf das perfekte Frühstück schon auf dem Tisch steht. Und Zeit zum Duschen habe ich auch noch, bevor ich zur Maniküre muss.

So oder mindestens so ähnlich geht es jedenfalls ganz bestimmt einem der viel besprochenen Supermodels, das gerade öffentlich bekannt gegeben hat, dass es nun wieder arbeiten, besser gesagt voll durchstarten wird. “Die Kinder seien aus dem Gröbsten raus”, gab sie in einem Interview bekannt. An der Stelle sei erwähnt, dass es sich bei dem jüngsten Spross der Dame um eine 7-jährige handelt.

Sie habe sich zwar rührend um den Nachwuchs gekümmert all die Jahre, aber dennoch nie den Anschluss verloren. Sei immer up to date gewesen, habe natürlich auch hier und da mal gearbeitet. Und nun steige sie wieder voll ein ins Business. Mit zarten und jugendlichen 47 Jahren immer noch top gestylt und trotz Kindern natürlich perfekt in Form.

Die Realität sieht irgendwie anders aus

Das klingt nicht wirklich nach real life, oder? Bei mir klingelte nie der Personaltrainer, weder morgens um 7 noch abends um 19 Uhr. Um meine After-Babybauch-Röllchen musste ich mich alleine kümmern. Die Schulbrote meiner Kinder mache ich liebevoll selbst – bevor ich sie wecke, also gegen 6 Uhr. Und aus dem Gröbsten raus sind meine Kinder auch nicht, obwohl sie zwischen 10 und 15 Jahren alt sind.

Da kämpft man um einen Vollzeit Betreuungsplatz in der Schule, anstatt eine Stellenausschreibung für eine Nanny aufzugeben. Man wäscht abends nach 20 Uhr noch im Schnellverfahren die Lieblingshose der Tochter –  ungeachtet der damit verbundenen Energieverschwendung, da sich nichts anderes in der gleichen Farbe im Wäschekorb finden lässt.

Tauschen unerwünscht

Ich möchte nicht tauschen mit den Damen, die so leben. Was mich an diesem Storytelling-Dingens nur so wahnsinnig stört, ist die Tatsache, dass einem das alles als so wahnsinnig toll verkauft wird. Sie hat es geschafft und steigt ohne jede Hürde einfach wieder ins Berufsleben ein. Bähm !

Was wäre wenn

Fraglich ist, wo eben diese Beispiel-Dame jetzt ohne den großen Tag ihrer Entdeckung vor vielen Jahren wäre. Würde sie halbtags als Schuh-Fachverkäuferin arbeiten und wäre gerade in diesem Moment stink sauer, weil sie heute die Absage für einen Vollzeit Betreuungsplatz in der Kita bekommen hat? Oder würde sie sich grün und blau ärgern, weil die Röllchen nach der letzten Schwangerschaft noch immer hartnäckig auf den Hüften sitzen?